Es gibt Themen, bei denen ich als Coach vorsichtig werde. Die Wechseljahre gehören dazu. Ich laufe seit fast zwanzig Jahren und coache seit zehn, aber ich bin ein Mann, und was in dieser Phase im Körper einer Frau passiert, habe ich nie selbst erlebt. Deshalb überspringe ich das Thema hier trotzdem nicht. Ich gehe einfach ehrlich damit um.
Was ich beitragen kann, ist Einordnung fürs Training. Ich stütze mich dabei auf zwei Dinge: auf die vielen Berichte von Läuferinnen aus unserer Community und auf das Wissen von Ärztinnen und Sportwissenschaftlerinnen, die tief im Thema stecken. Nähergebracht hat mir das Ganze vor einiger Zeit eine frühere Trainerkollegin, die sich in dem Bereich intensiv weitergebildet und ihr Wissen mit mir geteilt hat. Ich bin Laufcoach und kein Mediziner. Alles Medizinische gehört in fachkundige Hände, und einige dieser Fachfrauen kommen in diesem Artikel zu Wort.
Was ist beim Laufen in den Wechseljahren wichtig?
Kurz gesagt: Bewegung gehört zu den wirksamsten Mitteln, um gut durch diese Zeit zu kommen. Sinnvoll ist eine Mischung aus lockerem Ausdauertraining und regelmäßigem Krafttraining, dazu eine flexiblere Steuerung nach Körpergefühl und mehr Aufmerksamkeit für Regeneration. Und ein Satz steht über allem: Bei starken Beschwerden geht die ärztliche Abklärung immer vor die Trainingsplanung.
Was Läuferinnen in den Wechseljahren berichten
Bevor es um Lösungen geht, lohnt sich der Blick auf das, was ich immer wieder höre. Denn viele Läuferinnen beschreiben ganz ähnliche Erfahrungen:
- Gelenk- und Muskelschmerzen, die vorher nicht da waren.
- Schlafprobleme, die die Regeneration direkt beeinflussen.
- Leistungsschwankungen ohne erkennbaren Grund. Ein Lauf ist gut, der nächste fühlt sich an wie eine Katastrophe.
- Gewichtszunahme trotz unverändertem Training und Essverhalten.
- Das Gefühl, den eigenen Körper gerade nicht mehr zu verstehen.
Wenn du dich hier wiederfindest: Das ist weit verbreitet und völlig normal. Und all das hat direkte Auswirkungen auf Training und Erholung. Genau deshalb ist das kein Grund aufzugeben. Es ist eher ein Grund, ein paar Dinge anders zu machen.
Was Ärztinnen und Trainerinnen zum Training raten
Hier lasse ich lieber die zu Wort kommen, die tiefer im Thema stecken als ich. Über die Fachleute hinweg zeigt sich ein erstaunlich einheitliches Bild.
Krafttraining wird jetzt zur Priorität
Das ist der Punkt, an dem sich die Expertinnen besonders einig sind. Die Gynäkologin und Bestseller-Autorin Dr. med. Sheila de Liz bringt es deutlich auf den Punkt: Krafttraining sei für jede Frau in den Wechseljahren Pflicht und schlicht nicht verhandelbar, wenn man gesund und schmerzfrei bleiben wolle. Auch die Sportwissenschaftlerin Dr. Stacy Sims, die seit Jahren zu Training speziell für Frauen forscht, geht in dieselbe Richtung und empfiehlt in dieser Phase gezielt spürbare Kraftreize und dazu kurze, knackige Sprint-Intervalle.
Der Hintergrund ist einfach: Mit sinkendem Östrogenspiegel steigt das Risiko für Muskel- und Knochenabbau. Krafttraining wirkt genau dagegen. Es schützt Muskeln, Knochen und Sehnen und hält dich als Läuferin stabil. Zwei- bis dreimal pro Woche reichen dafür schon aus.
Und keine Sorge, falls du mit Krafttraining noch keine Erfahrung hast. Du musst dafür weder ins Fitnessstudio noch am Anfang zu Hanteln greifen. Für den Einstieg reicht dein eigenes Körpergewicht völlig aus. Kniebeugen, Ausfallschritte oder ein Unterarmstütz lassen sich problemlos zu Hause machen, und mit der Zeit steigerst du dich ganz von selbst. Ein paar einfache Grundübungen für eine stabile Körpermitte findest du in unseren Rumpfübungen für Läuferinnen und Läufer. Später darfst du dann gern auch an die Gewichte gehen, denn davon profitierst du in dieser Phase ganz besonders.

Ausdauer bleibt, wird aber flexibler gesteuert
Laufen und anderer Ausdauersport bleiben auch in dieser Lebensphase uneingeschränkt wertvoll, weil sie Herz und Kreislauf stärken und nachweislich die Stimmung heben. Erfahrene Läuferinnen, die mehrere Läufe pro Woche gewohnt sind, dürfen das auch in den Wechseljahren weiterführen. Wichtig ist die Steuerung. Wenn der Körper gerade schwankt, ist eine feste Pace-Vorgabe wenig hilfreich.
Besser läufst du nach deinem Belastungsempfinden, also nach der sogenannten RPE. Die Abkürzung steht für „Rate of Perceived Exertion“ und beschreibt, wie anstrengend sich eine Einheit auf einer Skala von 0 bis 10 anfühlt. Eine 3 bis 4 ist ein lockerer Lauf, bei dem du dich noch gut unterhalten kannst. Eine 8 bis 9 ist richtig fordernd. So steuerst du deine Läufe nach Gefühl und Tagesform, ohne dich an starre Pace- oder Pulswerte zu klammern. Wie das genau funktioniert, erklären wir ausführlich in unserem Artikel zur Borg- und RPE-Skala.
Regeneration wird wichtiger denn je
Ein Punkt zieht sich durch alle Empfehlungen: In der Lebensmitte braucht der Körper mehr Erholung. Mehr Ruhetage im Wochenplan sind kein Rückschritt. Sie gehören zum Training dazu. Und guter Schlaf ist in dieser Phase fast so wichtig wie die Laufschuhe.
Wie du dein Lauftraining konkret anpasst
Aus all dem lässt sich eine ruhige, machbare Linie ableiten. Drei Dinge empfehle ich in der Praxis am häufigsten.
- Erwartungen anpassen. Der Schlüssel liegt im Anpassen und nicht im Aufgeben. Arbeite mit flexiblen Tempobereichen und höre auf dein Körpergefühl, statt dich an starre Zahlen zu klammern.
- Wohlbefinden als Maßstab nehmen. Ein Lauf, nach dem du dich besser fühlst als vorher, ist ein guter Lauf. Ganz unabhängig von Pace, Kilometern und Herzfrequenz.
- Kraft fest einplanen. Zwei kurze Krafteinheiten pro Woche mit ein paar Grundübungen sind ein sinnvolles Minimum und zahlen sich langfristig am meisten aus.
Der wichtigste Satz zuerst: erst abklären, dann trainieren
So sehr ich fürs Training brenne, dieser Punkt steht darüber. Medizinische Abklärung zuerst, Trainingsplanung danach. Wenn starke Beschwerden da sind, wenn der Schlaf über Wochen gestört ist oder sich etwas anfühlt wie mehr als normale Schwankungen, dann führt der erste Weg zur Ärztin. Erst danach schauen wir, was das fürs Laufen bedeutet. Diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar.
Das Wichtigste in Kürze
| Bereich | Sinnvolle Anpassung in den Wechseljahren |
|---|---|
| Tempo-Steuerung | Flexible Bereiche nach Körpergefühl und Atmung statt fester Pace-Vorgaben |
| Krafttraining | Zwei- bis dreimal pro Woche, mit spürbaren Reizen. Wird jetzt zur Priorität |
| Ausdauer | Langsam laufen als Basis, harte Reize dosiert und gut erholt |
| Regeneration | Mehr Ruhetage einplanen, Schlaf ernst nehmen |
| Maßstab für einen guten Lauf | Wie du dich danach fühlst, unabhängig von Pace und Kilometern |
| Bei starken Beschwerden | Zuerst ärztlich abklären, danach das Training planen |
Die Wechseljahre verändern einiges, aber sie nehmen dir das Laufen nicht weg. Mit etwas mehr Kraft, etwas mehr Flexibilität und etwas mehr Erholung bleibt Laufen genau das, was es sein soll: eine Zeit für dich, nach der du dich besser fühlst.

Häufige Fragen zum Laufen in den Wechseljahren
Kann ich in den Wechseljahren normal weiterlaufen?
In den allermeisten Fällen ja. Erfahrene Läuferinnen, die ihren Körper gut kennen, können ihr Training grundsätzlich weiterführen. Sinnvoll ist es, die Steuerung flexibler zu machen und Trainingssteigerungen in dieser Phase besonders behutsam anzugehen. Bei starken oder neuen Beschwerden klärst du das vorher ärztlich ab.
Warum nehme ich trotz Laufen zu?
Mit der hormonellen Umstellung verlangsamt sich bei vielen Frauen der Stoffwechsel, und die Fettverteilung verändert sich. Laufen allein gleicht das oft nicht vollständig aus. Genau deshalb empfehlen Fachleute die Kombination aus Ausdauer und Krafttraining, denn mehr Muskelmasse hält den Energieverbrauch oben. Sieh das Laufen als Baustein für Gesundheit und gute Stimmung und nicht als Strafmaßnahme gegen die Waage.
Sollte ich mein Tempo anpassen?
Ja, das lohnt sich. Feste Pace-Vorgaben sind in einer schwankenden Phase eher Stressfaktor als Hilfe. Orientiere dich stattdessen an deiner Atmung und deinem Körpergefühl. An guten Tagen darf es schneller sein, an zäheren Tagen läufst du bewusst langsamer, ohne das als Rückschritt zu werten.
Ist Krafttraining wirklich nötig?
Aus Sicht der Expertinnen ganz klar ja. Krafttraining schützt Muskeln und Knochen genau dann, wenn der sinkende Östrogenspiegel beides angreift. Zwei- bis dreimal pro Woche mit einfachen Grundübungen reichen für einen spürbaren Effekt. Es geht dabei nicht um Bodybuilding. Das Ziel ist ein stabiler, belastbarer Körper, der dich beim Laufen trägt.
| Bleib beim Thema dran Die Wechseljahre begleiten dich vermutlich noch eine Weile. Wenn du dabei regelmäßig ruhige Einordnung rund ums Laufen in der Lebensmitte bekommen möchtest, dann ist unser Newsletter ein guter Ort dafür. Kein Druck und keine Werbeflut, einfach hilfreiche Gedanken für dein Training. Abmelden kannst du dich jederzeit. Hier kannst du dich in den Newsletter eintragen |
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Ein Hinweis zum Schluss: Ich bin Laufcoach und kein Arzt, Gynäkologe oder Ernährungsberater. Dieser Artikel ordnet Training ein und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei starken Beschwerden wende dich bitte zuerst an deine Ärztin oder deinen Arzt.
Über den Autor: Torsten Pretzsch

Torsten hat eine Reise vom Couchpotato zu einem engagiertem Lauftrainer hinter sich. Er kennt den Kampf mit dem inneren Schweinehund und nutzt diese Einblicke, um unsere Mitglieder dabei zu unterstützen, ihre eigenen Herausforderungen zu meistern.
Seine Leidenschaft, anderen ein fitteres Leben zu ermöglichen, führte zur Gründung des ausdauerblog im Jahr 2015, aus dem später der ausdauerclub hervorging.
Mit dem ausdauerclub möchte Torsten seine Vision verwirklichen, über 50.000 Menschen dauerhaft zum Laufen zu bringen.
Stimmen und Quellen in diesem Artikel
Dr. med. Sheila de Liz, Gynäkologin und Autorin, zu Krafttraining in den Wechseljahren (u. a. DAK-Gesundheit Interview): dak.de
Runner’s World Deutschland: Laufen und Sport in den Wechseljahren (Ausdauer plus Kraft, mehr Regeneration): runnersworld.de
Kleiner Hinweis in eigener Sache: Die Bilder und teilweise auch die Texte in diesem Artikel sind mit Unterstützung von KI entstanden. Ich prüfe aber alles sorgfältig, und die Inhalte, Erfahrungen und Gedanken dahinter stammen zu hundert Prozent von mir.

